Jedes Jahr ertrinken Angler bei ihrer Lieblingsbeschäftigung. Das ist eine traurige Tatsache. Ebenso ist erwiesen, dass die wenigsten tödlichen Unfälle beim Watangeln passieren. In den meisten Fällen ertrinken Angler, die aus dem Boot fallen. Viele davon hätten überlebt, wenn sie eine Rettungsweste getragen hätten.
Aber auch beim Watfischen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Hier erfährst du, wie du das Verletzungsrisiko minimieren kannst. Außerdem bekommst du die besten Tipps, wie du ein erfolgreicher Watangler wirst.
Beim Meerforellenangeln an der Ostsee kommen noch andere Risiken wie etwa vorbeifahrende Schiffe dazu. Hier ist also doppelte Vorsicht geboten und die Verwendung eines Watstocks und das Tragen einer Rettungsweste sind dringend angeraten.
Vorteile und Nachteile des Watangelns
Vor allem Spinn- und der Fliegenfischer üben das Watfischen aus. Neben vielen Vorteilen hat diese Form des Angelns auch einige Nachteile.
Aber wenn du die grundlegenden Regeln beachtest, wirst du bald Fische fangen, an die die Kollegen am Ufer nicht herankommen.
Sei dir immer bewusst, dass jede Form des Watens immer eine Beunruhigung der Fische mit sich bringt. Mit ihrer Seitenlinie registrieren sie auch die kleinsten Druckveränderungen, die du beim Waten verursachst. Wenn sich ein Fisch gestört fühlt, hört er auf zu Fressen oder ergreift gleich die Flucht. Eine Forelle, die panisch den Bach entlang stürmt, sorgt auch bei allen anderen Wasserbewohnern für Unruhe.
Was ergibt sich daraus? Wann immer es möglich ist, vermeide es ins Wasser zu steigen und angle vom Ufer aus. Nur wenn du den Fisch nicht mehr erreichst, etwa wegen dem Bewuchs oder weil der Fluss zu breit ist, solltest du zum Watfischen übergehen.
Vorteile:
- Beim Watangeln kannst du Standplätze von Fischen anwerfen, die vom Ufer unerreichbar sind. Wer kennt das nicht: Die Forelle, die unter den überhängenden Ästen steigt oder den Hecht, der am Schilfrand raubt. Im Wasser stehend kannst du mehr Fische anwerfen als vom Ufer.
- Oft entscheidend für den Fliegenfischer ist die optimale Wurfposition. Beim Watfischen kann die Trockenfliege länger unverdächtig abtreiben und die Nymphe lässt sich leichter in der fängigen Bahn halten.
- Ein kleines, aber oft entscheidendes Detail: Je tiefer du im Wasser stehst, umso geringer ist die Gefahr, vom Fisch gesehen zu werden. Das ist vor allem beim Angeln auf kürzere Distanzen von Bedeutung.
Deshalb solltest du beim Fischen vom Ufer jede mögliche Deckung nutzen und bei Bedarf auch in die Knie gehen.
Nachteile:
- Wann immer die Gefahr besteht, die Fische beim Laichgeschäft zu stören oder Fischlaich zu zerstören, ist das Watfischen tabu. Die natürlichen Bestände vieler unserer Fischarten sind ohnehin schon stark gefährdet. Deswegen ist es für den verantwortungsvollen Angler selbstverständlich, in der fraglichen Zeit auf das Waten zu verzichten.
- Fische reagieren sehr sensibel auf jede Störung. Je ruhiger das Wasser ist, desto empfindlicher sind sie.
Ein kleines Beispiel: In einem Bergbach mit starker Strömung ist es ganz natürlich, dass ständig Kiesel über den Grund rollen. Keine Forelle wird sich von diesen Geräuschen aus der Ruhe bringen lassen.
In einem ruhig dahinfließenden Wiesenbach liegen die Steine normalerweise ruhig am Grund und ein rollender Kiesel bedeutet Gefahr. Im Wasser breitet sich der Schall noch dazu besonders gut aus.
Mit unvorsichtigem Waten kannst du deine Chancen auf einen erfolgreichen Angeltag schnell zunichtemachen. - Die Unfallgefahr ist im Wasser größer als am Ufer. Das reicht von glitschigen Steinen über Schlammboden bis zu tiefen Löchern am Gewässergrund. Zwar gehen die meisten Missgeschicke glimpflich aus. Trotzdem passieren jedes Jahr schwere Unfälle, von den manche auch tödlich enden.
Die richtige Ausrüstung zum Watangeln
Watschuhe

Egal, ob du eine Wathose mit angeschweißten Stiefeln hast oder spezielle Watschuhe bevorzugst, die Wahl der richtigen Sohle ist entscheidend für ein sicheres und entspanntes Fischen.
Jede Sohle hat ihre Stärken und Schwächen. Bei steinigem Untergrund sind Watschuhe mit Filzsohle im Wasser unschlagbar. Sie haben allerdings Schwächen beim Einsatz an Land. Wer wie ich schon mal eine feuchte Uferböschung hinunter gesegelt ist, wird diese Behauptung bestätigen.
Abhilfe schaffen kannst du mit Stollen, die in die Sohle der Watschuhe geschraubt werden und so für einen sicheren Halt sorgen.
Gummisohlen eignen sich am besten für sandigen Untergrund und wenn du größere Strecken an Land zurücklegst. Auf großen, mit Algen bewachsenen Steinen im Flussbett verlierst du aber schnell den Grip.
Du merkst also, die perfekten Watschuhe für alle denkbaren Verhältnisse gibt es nicht. Bei deiner Wahl solltest du dich nach den Bedingungen richten, unter denen du am häufigsten angelst oder mehrere Watschuhe mit verschiedenen Sohlen kaufen.
Watgürtel
Ein richtig angelegter Watgürtel verhindert, dass deine Wathose zu schnell mit Wasser vollläuft. Da er ein wesentlicher Teil der Angelausrüstung ist, wird der Watgürtel in einem eigenen Artikel behandelt.

Watstock
Mit einem Watstock kannst du gefahrlos den Untergrund prüfen. Zusätzlich ist er ein wertvoller Bestandteil für ein sicheres Waten. Auch die verschiedenen Watstöcke werden gesondert näher beschrieben.
Tipps zum sicheren Watangeln
Jedes Jahr passieren viele Unfälle beim Watfischen. In den meisten Fällen liegt die Ursache im falschen Verhalten des Anglers. Deswegen solltest du einige grundlegende Tipps beherzigen, die dich zu einem sicheren und erfolgreichen Angler werden lassen:
- Ganz wichtig ist, dass du beim Watfischen immer die Wassertiefe und die Stärke der Strömung beachtest. Auch ein dir bestens bekanntes Gewässer kann sich in kurzer Zeit stark verändern. So beeinflusst schon ein umgestürzter Baum die Wassertiefe und die Strömungsverhältnisse.
- Ebenso entscheidend ist der Untergrund beim Watangeln. Am angenehmsten watet es sich meiner Meinung nach auf Sandboden. Man hat einen sicheren Stand, sinkt nicht ein und kann sich bei stärkerer Strömung sicher am Boden verankern. Gut geht es sich auch auf Kies mit einer Korngröße von bis zu etwa 5 cm. Allerdings gleitest du auf den rollenden Kieseln bei tieferem Wasser und der entsprechenden Strömung wie auf einem Kugellager. Vor allem, wenn du auch noch eine Neopren-Wathose mit dem entsprechenden Auftrieb trägst.
Verblockter Untergrund ist da schon etwas anspruchsvoller. Die großen Steine veralgen vor allem im Sommer schnell und können dann extrem rutschig werden. Allerdings bieten diese Gewässerstrukturen auch vielen Fischen gute Standplätze. In jedem Fall ist eine gute Polarisationsbrille eine wertvolle Hilfe, um den Untergrund richtig einzuschätzen.
Ganz übel wird es, wenn sich am Gleithang Schlamm abgelagert hat und der Fluss Richtung Prallhang zu tief zum Waten ist. Wenn du mit beiden Beinen bis über die Knie im Schlamm steckst, kann schon so etwas wie Panik aufkommen. In diesem Fall solltest du versuchen, ein Bein zu befreien und auf tragfähigen Untergrund zu stellen. Dann das zweite Bein nachziehen. Besser ist es in jedem Fall, gar nicht erst in den Schlamm hineinzutappen. - Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Kombination von schwierigem Untergrund und starker Strömung sehr problematisch sind. Wenn du dich nicht wirklich sicher fühlst, lass es lieber bleiben. Kein Fisch der Welt ist eine Verletzung oder gar den Tod wert.
- In einem unbekannten Gewässer solltest du dich beim Watangeln immer flussaufwärts bewegen. Falls du Probleme bekommst und nicht mehr weiter kommst, kannst du dich mit der Strömung zurückziehen. Wenn du in Fließrichtung watest und plötzlich vor einem tiefen Loch stehst, ist der Rückzug bei starker Strömung oft sehr schwierig.
Überhaupt solltest du jedes Mal, wenn du dich an einen Fisch anpirschst, auf einen sicheren Rückzug achten. Mit einer gewissen Erfahrung registrierst du schon unterbewusst gewisse Dinge wie z. B.: Hier ist ein Loch, hier eine unangenehme Strömung, dort ein Hindernis etc. - Im Wasser bewegst du dich in der Regel mit kleinen Schritten voran. So kannst du das Gleichgewicht besser halten. Außerdem achtest du darauf, dass du die Füße nicht stark hebst. Neben der besseren Balance hat diese Technik noch einen weiteren Vorteil: Du bewegst dich leiser und verscheuchst weniger Fische.
- Diese Vorgangsweise ist besonders wichtig, wenn du den Boden nicht genau sehen kannst, sei es durch Wassertrübung oder Verwirbelungen: Prüfe bei jedem Schritt den Untergrund auf Festigkeit und Glätte. Erst wenn du dich überzeugt hast, dass der Boden einen sicheren Stand bietet, machst du den nächsten Schritt.
- Mach es dir zu Gewohnheit, bei Hindernissen wie großen Steinen und dicken Ästen darüber und nicht draufzusteigen. Du weißt im Vorhinein nie, wie stabil die Dinger sind. Ein wackeliger Stein oder ein wegrutschender Ast können bei stärkerer Strömung leicht ein Vollbad bedeuten. Allerdings musst du immer testen, ob hinter dem Hindernis kein Loch ist. Das ist strömungsbedingt leider oft der Fall. Für die schnelle und sichere Prüfung eignet sich am besten ein guter Watstock.
- Du sollst entweder waten oder fischen. Beim Fischen konzentrierst du dich auf den Wurf und auf die möglichen Standplätze der Fische. Das Gewässer lesen und werfen kannst du aber am besten, wenn du einen sicheren Stand hast.
Wenn dein Blick beim Waten auf Dinge gerichtet ist, die in 20 m Entfernung liegen, übersiehst du garantiert den Ast im Wasser oder den Stein, der dir im Weg liegt. Abgesehen von der Unfallgefahr watest du auch wesentlich weniger elegant und vergrämst mehr Fische, als du fängst.
Wenn die Wathose vollläuft
Wenn du zum ersten Mal mit der Wathose baden gehst und du im eiskalten Wasser treibst ist die Gefahr groß, dass du in Panik verfällst.
Dazu mein eigenes Erlebnis:
Es war im Herbst nach jahrzehntelanger Erfahrung im Watfischen an einem kleinen Fluss im Alpenvorland, in dem ich schon seit Jahrzehnten jedes Loch, jeden Ast und jeden Stein kannte. Aus Bequemlichkeit wollte ich an einer Stelle queren, wo ich es vorher noch nie getan hatte. Ich dachte vorher schon: „Wenn das nur gut geht.“

Dann also: schräger, glitschiger Stein – Wuuusch – Platsch – Vollbad!
Da ich: siehe oben: jahrzehntelange Erfahrung – keinen Watgürtel um hatte, rauschte das 8 °C kalte Wasser voll in die atmungsaktive Wathose, die Luft blieb in den Beinen eingeschlossen, die Füße gingen folglich nach oben.
Ich gestehe, ich hatte ein bis zwei Sekunden lang die volle Panik, bis ich zur Besinnung kam. Da ich wusste, der Pool geht nach etwa 20 Metern in eine flache Rausche über, wurde ich gleich ruhiger. Ins Flachwasser gepaddelt bin ich dann in Rückenlage. Glücklicherweise gab es bis auf ein paar Abschürfungen keine Verletzungen und auch meine Fliegenrute blieb heil.
Am Ufer dann erst mal raus aus der Wathose. Ich war klatschnass vom Kopf bis zu den Zehen. Das Auto stand nicht sehr weit entfernt, trotzdem war der Marsch bei 5 °C kein reines Vergnügen. Zum Glück hatte ich im Auto ein großes Badetuch und trockene Ersatzkleidung. So bin ich sogar ohne Erkältung davongekommen.
Allerdings gehe ich seitdem nicht mehr ohne Watgürtel zum Watfischen.
Wenn das Unglück passiert ist
- Wenn möglich, Rückenlage einnehmen
- Nicht gegen die Strömung ankämpfen, sondern stromabwärts und Richtung Ufer aus der Strömung schwimmen.
- In einer Gefahrensituation lieber die Rute auslassen, auch wenn’s schwerfällt. Besser eine neue Rute kaufen als nie wieder angeln.
- Auch im Sommer immer Ersatzkleidung und ein Badetuch im Auto haben
Fazit zum sicheren Watangeln
Beim Watangeln kannst du Fische fangen, an die du vom Ufer nicht herankommst. Wenn du unvorsichtig watest, wirst du allerdings mehr Fische vergrämen als fangen.
Wenn du sicher watest, kannst du dich besser auf das Gewässer und die möglichen Standplätze der Fische konzentrieren.
Wie du besser Watfischen lernst und damit mehr und größere Fische fangen kannst, erfährst du in einem eigenen Kapitel.